
Einladung zur Meditation
Die vier edlen Wahrheiten – eine vierfache Aufgabe Teil II
Wir beginnen wieder um 18:45 Uhr. Wer etwas früher kommt, kann noch beim Auslegen der Kissen helfen.
Vor zwei Wochen haben wir mit der ersten edlen Wahrheit und der Aufgabe, „das Leben zu umarmen“ (Stephen Batchelor) begonnen und setzen dies an diesem Abend fort mit der Beschäftigung mit den drei Arten des Leidens. Angelehnt an das Standardwerk „Grundlagen des Buddhismus“ von Fred von Allmen und Lama Tilmann Lhündrup steht heute das „potenzielle Leiden“ im Mittelpunkt des kurzen Vortrags und des sich anschließenden Gesprächs.
Im Anschluss an die Meditation besteht noch Gelegenheit, uns über den Vortrag auszutauschen.
Wir beschließen den Abend mit einer kurzen Phase der stillen Wertschätzung und der Widmung.
Ende wird gegen 21:00 Uhr sein.
Natürlich ist die Teilnahme an unseren Abenden einer guten buddhistischen Tradition folgend kostenlos.
Gleichwohl freut sich unser Spendenschweinchen über kleine Zuwendungen, um die Anschaffung neuer Praxismaterialien und anderer Notwendigkeiten zu erleichtern.
Wir freuen uns auf deine Teilnahme!
Außerdem… (diesmal etwas mehr)
Unschlagbares Praxisangebot
Zu unserem 7. Praxissamstag am 27. Juni 2026 in Marburg laden wir euch herzlich ein. Es sind noch viele Kissen und Stühle frei.
Einen Tag (9:30 bis 17:30) der Praxis in Gemeinschaft zu widmen ist eine gute Gelegenheit, einmal tiefer in den Prozess des Annehmen und Loslassen, also des So-sein-lassens, einzutauchen. Alle, die schon einmal an einem Retreat teilgenommen haben, werden dies bestätigen können. Unser Praxistag ist in diesem Sinne ein „Schnupperangebot“ für alle, die eine intensivere Praxis einmal ausprobieren möchten. Für Unterstützung durch erfahrenere Praktizierende ist gesorgt. Es besteht die Möglichkeit, auftretende Fragen oder Schwierigkeiten in Einzelgesprächen zu thematisieren.
Bitte teilt uns persönlich oder per Email mit, wenn ihr dabeisein wollt. Dies erleichtert uns die Vorbereitung (Mittagessen etc.) enorm.
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Das Leben umarmen
Dukkha wird traditionell als „Leiden“ übersetzt, was dem soteriologischen Element im traditionellen Buddhismus entspräche. Aber es ist ungeeignet, um Buddhas explizite Aufzählung dessen, wofür Dukkha steht, auszudrücken: Geburt, Krankheit, Altern, Tod, Trennung von dem, was wir lieben, Feststecken in dem, was wir verabscheuen, nicht zu bekommen, was wir wollen und unsere allgemeine psychophysische Verletzlichkeit. Kein Mensch kann sich irgendeiner dieser Erfahrungen entziehen.
Bei dieser ersten Facette der vierfachen Aufgabe geht es also darum, unser menschliches Dasein anzunehmen. Zu diesem Leben gehört auch Freude und das Potenzial zum Erwachsen, wie der Buddha lehrte. Aber der Weg zu einer umfassenderen Erfahrung dieser Potenziale liegt darin, „die ganze Katastrophe“ in den Griff zu bekommen, wie es Alexis Sorbas im gleichnamigen Film ausdrückte.
Wir brauchen kein esoterisches Wissen, um Dukkha zu verstehen. Wir brauchen das ethische und meditative Know-how, um das Leben „in inniger und ironischer Weise zu verstehen, in all seinen Paradoxien und Launen, seinen Schrecken und witzigen Momenten, seiner Erhabenheit und Banalität“, schreibt Stephen.
– Winton Higgins: Säkularer Buddhismus – Arbeitsbuch zu „Jenseits des Buddhismus“ von Stephen Batchelor. Verlag Mittlerer Weg, 2020, S. 35 f.
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Abschiede
Traurig müssen wir vermelden, dass zwei Menschen, die den Dharma auf jeweils besondere Weise gelehrt und verbreitet haben, von uns gegangen sind.
Saskia Graf (1979-2026) hat viel für den säkularen, aber nicht nur den, Buddhismus geleistet. Viel Zeit hat sie für die Buddhastiftung in Heidelberg investiert, hat übersetzt, gelehrt und beraten. 2024 wurde sie mit dem “Outstanding Women in Buddhism Award” ausgezeichnet.
Robert Thurman (1941-2026), ein us-amerikanischer Dharmalehrer, gehörte zu den engen westlichen Freunden des 14. Dalai Lama und war unermüdlich für den Dharma in unterschiedlichster Weise unterwegs. Er schrieb Bücher, lehrte, übersetzte und war Professor an der Columbia University.


Diese Selbstbezogenheit ist angesichts der Tatsache, dass wir uns ja für das Wichtigste im Universum halten, vollkommen natürlich. Ob dies moralisch verwerflich ist, steht hier nicht zur Debatte. Doch ich bezweifle, dass diese Sichtweise korrekt ist. Wir mögen zwar mit der „Gewissheit“ aufwachen, wir seien der Mittelpunkt des Universums, doch sobald wir unseren Fuß nach draußen setzen, treffen wir nicht einen Menschen, der dieser Sichtweise zustimmt. Wenn wir die Möglichkeit hätten, die Gedanken anderer zu hören, schallten uns Chöre entgegen: „Das bist du nicht, denn das bin nämlich ich! Ich bin der Mittelpunkt.“ Wir befinden uns daher in ständigem Widerspruch zu anderen, sind allesamt fest im Griff jenes kleinen inneren Diktators, der jeden Menschen glauben machen will, er oder sie sei der Mittelpunkt des Universums.
Und was will dieser Diktator? Jeder möchte natürlich glücklich sein und tut alles für die Erfüllung dieses Wunsches. Aber reicht denn allein der Wunsch nach Glück aus, um wirklich glücklich zu werden? Das hat noch nie geklappt. Wenn ich besessen von dem Wunsch handele, mein Glück zu finden, verfehle ich es mit Sicherheit. Möglicherweise führt der von mir beschrittene Weg in die Irre.
Wenn ich mich darum bemühe, glücklich zu werden, befehle „ich“ mir selbst, was ich für „mich“ zu tun habe. Wenn ich „mir selbst“ gehorche, tue ich dies so selbstverständlich, wie ich dies bei keinem anderen tun würde, da ich davon ausgehe, dass ich ja „ich“ bin. Doch ich profitiere offenbar wenig von dem Diktat des „Ichs“. Es scheint, als ob ich für mich handelte, doch in Wahrheit erntet ein anderer „Chef“ die Früchte meiner Bemühungen. Ich fülle im Schweiße meines Angesichts ein Gefäß, doch es wird niemals voll. Entweder sickert das Wasser aus einem Loch im Boden heraus, oder es wird in ein anderes Gefäß umgeleitet. Vielleicht entspricht dieses „Ich“ nicht wirklich dem, der ich wirklich bin. Wie könnte es das wahre Ich sein, wenn es ein so falsches Verständnis von seinem Platz im Universum hat?
– Robert Thurman: Revolution von innen – Die Lehren des Buddhismus oder das vollkommene Glück. Econ Verlag, 1999, S. 74 f.
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