21. August 2025: Der 14. Dalai Lama über Weisheit

Beginn: 18:45 Uhr

Meditation im Sitzen und Gehen – manchmal auch im Stehen. (ca. 20 – 10 – 20 Minuten)

Lesung und Gespräch: Über Weisheit
Viele Religionen und Religionsstifter:innen beziehen sich auf „höchste Instanzen“, die natürlich fehlerfrei, tadellos und unhinterfragbar „absolute Wahrheiten“ verkündet haben sollen. Eine Überprüfung auf Logik, dahinterstehende Interessen und Absichten gilt bereits als Frevel und qualvolle Strafen im Dies- und Jenseits stehen ins Haus. Wie sieht dies im Dhamma, der buddhistischen Lehre von der Natur der Dinge, aus? Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, hat diesem Thema ein Kapitel in seinem Buch über die „Essenz der Meditation“ gewidmet. Mit seinen Gedanken darüber werden wir uns heute nach der Meditation beschäftigen.

Ein Appetithappen:
„Nach buddhistischer Tradition wird die Gültigkeit einer philosophischen Lehre durch logische Beweisführung erwiesen.
Der Buddha hat eindeutig erklärt:

Bikshus und Gelehrte sollten meine Worte prüfen,
Wie ein Goldschmied Gold durch Erhitzen, schneiden und Reihen prüft.
Nur dann sollten meine Worte akzeptiert werden,
Nicht aus Respekt vor mir.

Daher müssen wir uns im Prozess des Erweisens äußerer und innerer Phänomene auf Beweisführung verlassen. Es besteht keine Notwendigkeit, sich allein auf die Autorität der kanonischen Schriften zu verlassen. Was in solchen Texten gelehrt wird, kann im Lichte der Vernunft analysiert werden. Auch die Worte des Buddha stehen der Prüfung offen.“
(Dalai Lama: Die Essenz der Meditation. Praktische Erklärungen zum Herzstück buddhistischer Spiritualität. München, 2005, S. 113)

Es wird wieder reichlich Gelegenheit geben, über das Thema und die eigenen Erfahrungen mit der Meditation, schöne wie auch schwierige, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Den Abend beenden wir mit einer kurzen Phase der wertschätzenden Stille und der Widmung.

Ende wird gegen 21:00 Uhr sein.

Natürlich ist die Teilnahme an unseren Abenden wie stets kostenlos.

Wir freuen uns auf deine Teilnahme!

Standpunkt

Warum … wir den Weg der Mitte neu berechnen müssen
In der aktuellen Ausgabe von Buddhismus aktuell (wir wiesen letzte Woche bereits darauf hin) findet sich ein wichtiger Artikel von Robert Pauli: Die Menschheit hat sich selbst und den gesamten Planeten an den Rand der Klimakatastrophe manövriert. In einer solchen Situationen stellen sich buddhistisch ganz neue Fragen, erklärt Robert Pauli, Umweltaktivist und engagiert im Jungen Buddhistischen Netzwerk. Was bedeutet es, in einer Welt der Klimakipppunkte den Weg der Mitte zu gehen?

Roberts Artikel ist online abrufbar.

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Gegenstandpunkt

Achtsamkeit ist im Mainstream angekommen und wird von Promis wie Oprah Winfrey, Madonna und Angelina Joli empfohlen. Während Meditationslehrer:innen Mönche, Nonnen und Neurowissenschaftler:innen mit CEOs beim Weltwirtschaftsforum in Davos zusammenkommen, haben die Vordenker:innen dieser Bewegung einen missionarischen Eifer entwickelt. So hat Jon Kabat-Zin, der Erfinder des Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), größere Ambitionen als die Überwindung von Stress. Schließlich prophezeit er, dass diese hybride Mischung aus wissenschaftlicher und meditativer Disziplin ‚das Potenzial hat, eine universelle oder weltweite Renaissance zu entfachen‘. Achtsamkeit ‚könnte tatsächlich die einzige Hoffnung sein, welche der Spezies und dem Planeten bleibt, um die nächsten paar 100 Jahre zu überstehen‘, verkündet er.

Worum handelt es sich also bei diesem Allheilmittel? Unter der Überschrift ‚The Mindful Revolution‘ (Die Achtsame Revolution) lichtete das Nachrichtenmagazin Time 2014 eine junge, blone Frau auf seiner Titelseite ab, die Glückseligkeit ausstrahlte. Der zugehörige Artikel beschrieb eine Schlüsselszene der standardisierten Lehrinhalte von MBSR, nämlich das bewusst langsame Verspeisen einer Rosine: „Das Vermögen, sich für wenige Minuten auf eine einzige Rosine zu konzentrieren, ist nicht albern, wenn die dafür notwendigen Fähigkeiten der Schlüssel für Durchsetzungsfähigkeit und Erfolg im 21. Jahrhundert sind“, erklärte die Autorin.

Demgegenüber bleibe ich skeptisch. All das, was in unserer ungerechten Gesellschaft Erfolg verspricht, aber keine Änderungen einfordert, ist nicht revolutionär. Es bietet Menschen lediglich ein Hilfsmittel, um das tägliche Leben zu meistern. Schlimmstenfalls könnte es die Lebensumstände sogar verschlechtern. Statt zu radikalem Handeln anzuregen, wird behauptet, dass die Ursachen von Leid überwiegend bei uns selbst zu suchen seien und nichts mit den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu tun hätten, die unser Leben prägen. Und dennoch glauben Achtsamkeitsfanatiker:innen, dass das genauere Achten auf den aktuellen Moment bei gleichzeitigem Verzicht auf Werturteile die revolutionäre Kraft in sich trage, die gesamte Welt grundlegend zu verändern. Das ist eine ausgesprochen märchenhafte Vorstellung.“
Ronald E. Purser: McMindfulness – Wie Achtsamkeit die neue Spiritualität des Kapitalismus wurde. Mabuse Verlag, Frankfurt/M., 2021, S 7

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Seltener Standpunkt

Bücher müssen keinesfalls zwingend bei Onlineriesen bestellt werden. In Marburg gibt es (noch) einige Buchläden (z. B. Buchladen Roter Stern, Am Grün 28-30 oder Sirius in der Barfüßerstraße 13), die kompetent und persönlich beraten und innerhalb eines Tages jedes verfügbare Buch besorgen.

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